Seebach im Norden von Zürich bestand bis ins 19. Jahrhundert aus zwei bäuerlichen Dorfteilen. Mit der Industrialisierung in Oerlikon wandelte es sich zum Wohnort der Fabrikarbeiterschaft und wurde 1934 in die Stadt eingemeindet. Zwischen 1930 und 1960 verdreifachte sich die Bevölkerung. Zweckförmige, einfache Zeilenbauten und Wohnsiedlungen mit grosszügigen Grünräumen prägen seither das Quartier, das an seinen Rändern bis heute unmittelbar an offenes Ackerland grenzt.
An der Caspar-Wüst-Strasse 64/66, unweit der Rümlangstrasse und am Übergang vom Quartier zur offenen Landschaft, entstehen zwei neue Mehrfamilienhäuser. Winkelförmig zueinander gesetzt, nehmen sie die Typologie der Zeilenbauten auf, die Seebach prägen, und fassen einen gemeinsamen Gartenraum. Eine Tiefgarage nimmt die Parkierung auf.
Jedes der Gebäude verfügt über eine halböffentliche Erschliessungsseite nach Norden, bzw. Osten mit Hauseingängen, Briefkästen und Velostellplätzen, während an der jeweils anderen Längsseite in Richtung Hof die privaten Aussenräume liegen.
Der Ort ist gerpägt durch die nahe Nordumfahrung der Autobahn, sowie den Anflugverkehr des Flughafens Zürich, sowie die bereits erwähnten grossmasstäblichen Zeilbauten und lange, gerade Strassenverläufe. Diesem Kontext und dieser Massstäblichkeit Rechnung tragend, sind die beiden Volumen nicht kleinteilig gegliedert im Sinne der klasssichen Stadt der Jahrundertwende, sondern greifen durch lange Geschossbänder und Traufkanten die prägenden Themen des Quartiers auf und geben sie durch eine rauhe, widerständige Materialität ihrer Schalen wieder.
Die Baukörper gliedern sich in Erdgeschoss, drei Obergeschosse und ein Dachgeschoss. Das oberste Geschoss liegt in einem Mansarddach aus hellem, stehgefalztem Metall, das Lukarnen und Dachflächenfenster rhythmisieren. Die hinterlüftete Fassade ist mit Faserzementplatten verkleidet. Mintgrüne, gewellte Platten auf Höhe der Geschossdecken betonen die horizontale Gliederung und werden durch das durchgehende Sturzblech sowie die Fensterbank unterstützt. Gartenseitig sind den Häusern Balkone vorgelagert. Rote Stahlstützen tragen die Balkonplatten, deren Verkleidung aus gelochten Faserzementplatten einen feinen, ornamentalen Vorhang bildet. Weinrote Rollläden und Markisen vervollständigen das Farbspiel aus Grau, Mint und Rot.
Es entstehen 58 Wohnungen [von der Studio- bis zur 4.5-Zimmer-Wohnung]. Sie verfügen über grosszügige, teilweise durchgesteckte Wohn-Ess-Bereiche mit Balkon oder Erker, Lifte erschliessen alle Geschosse hindernisfrei. Der Aussenraum wird zum gemeinsamen Siedlungsgarten. Eine Wiese mit Staudenpflanzungen und Bäumen, Sitzmauern aus Beton und ein Spielplatz mit Holzelementen bieten Raum für Begegnung. Den Erdgeschosswohnungen sind private Gartensitzplätze vorgelagert.